Melva

In 2014 entdeckte ich die charmanten Räume des heutigen Melva Mode | Cafés. Und die Idee war geboren! Ein Ort der Begegnungen, der Live-Musik und des Wohlfühlens mit einem besonderen Flair für Mode, die es so nur an dieser Ecke gibt, will ich in diesen schönen Salon-Räumen schaffen. Meine Liebe zur Musik führte mich bereits als 20ig-jährige zum regelmäßigen Kuratieren schöner Konzerttereignisse in kleinen und in großen Rahmen. Viele Freundschaften zu Musiker*Innen sind seitdem entstanden. So auch und insbesondere zu Melva Houston, die ich auf Ihren alljährlichen Europa-Touren mehrfach veranstalten durfte und in vielen privaten Stunden zur Freundin wurde. Eine Freundschaft, für die ich sehr dankbar bin. Denn Melva Houston war nicht nur eine herausragende Sängerin, die den Blues-Jazz mit ihrer tiefen Stimme verkörperte, sie war v.a. auch eine großartige Frau, eine wunderbare Seele! So war es mir ein tiefes Anliegen mit der Namensgebung für meinen „Ort“ eine Ehrung auszusprechen , und ihm eine, Melva`s Seele zu geben. 

Und so war es im März 2015 soweit. Das Melva Mode | Café öffnet seine Türen. Der Name „Melva“ ist eine Ode an die US amerikanische Jazz-, Blues und Gospelsängerin Melva Houston. Sie war nicht nur eine herausragende Musikerin, Melva war auch eine großartige Frau und mir eine wertvolle Freundin. 

 

"Live while you are living,
cause when you're dead you're done."

Melva Houston (US Jazz-, Blues- und Gospelsängerin)

 
 
 

Ein Nachruf

 

© Hagen Kälberer

Eine großartige Jazz-, Blues und Gospelsängerin , die die Herzen erreichte!

Die Jazz-, Blues- und Gospelsängerin Melva Houston erlag am 14. Mai 2020 im Alter von 70 Jahren in ihrer Heimatstadt Mt. Airy, North Carolina einer längeren Krebskrankheit.

Melva Houston wurde in Memphis, Tennessee geboren, der Heimat vieler Blues-Berühmtheiten. Als Tochter einer großen Familie wuchs sie in der Tradition der Gospel-, Blues- und Jazzmusik auf. Bereits in jungen Jahren machte sich Houston einen Namen mit regelmäßigen Auftritten in einer populären Radio-Show. Mit 13 Jahren gewann sie einen Jugendtalentwettbewerb. Von da an erlebte Houston einen kometenhaften Aufstieg in kürzester Zeit. Mit 15 Jahren sang sie bereits als Background Sängerin für die berühmte Plattenfirma „Stax Records“. Mit 16 Jahren machte sie Aufnahmen mit Isaac Hayes. Es folgten zahlreiche Aufnahmen mit Stars wie Wilson Pickett, Otis Redding, Sam and Dave and weiteren Berühmtheiten des Stax-Record-Labels. In den 80igern begleitete sie The Platters auf ihrer Europa-Tour. 1988 bis 1996 tourte sie durch Spanien, wo sie zum gefeierten Solostar wurde.

In den USA war Melva Houston längst ein viel gefragtes Highlight auf renommierten Jazzfestivals. Die Esslinger Jazz Tage entdeckten Melva Houston als grandiose Interpretin in Spaninen und buchten sie in 1996 und 1997 für das renommierte Jazzfestival am Neckar. Ihr Erfolg beim Publikum führte von da an zu alljährlichen Europatourneen u.a. in Deutschland, den Niederlanden, Polen und in der Schweiz.

Zu Stuttgart entstand für Houston ein besonderes Verhältnis.
Stuttgart is my second home“, so Houston. Der Stuttgarter Musiker Rainer Frank wurde für Houstons Europatouren fester Bassist sowie Band- und Tourmanager. Die Melva Houston Band bestand bei ihren jährlichen Deutschlandtouren u.a. aus Stuttgarter Musikern wie dem Schlagzeuger Daniel Messina, der Saxophonistin Regina Büchner, dem Jazz-Pianisten Ull Möck oder den Hannoveraner Musikern Hajo Hoffmann, Violine und Pianistin Béatrice Kahl.

 

In Stuttgart gab Houston u.a. Konzerte zur Einweihung des neuen Theaterhauses, bei „Stuttgart swingt“ auf dem Schlossplatz, in der „Rosenau“, im Jazzclub Armer Konrad, bei den Sommerfesten im Galerienhaus, sowie natürlich in der nach ihr benannten Boutique mit KulturCafé „Melva Mode | Café“ im Stuttgarter Westen.

Auch als Gospelsängerin wurde Melva Houston in Stuttgart gefeiert u.a. bei ihren beinahe jährlichen Gospelkonzerten in der Johanneskirche Stuttgart. Dort entstand bei einem Konzertmitschnitt auch die CD „Gospel – live in der Stuttgarter Johanneskirche".

Durch ihre Gesangsworkshops beeinflusste sie zahlreiche Sänger und Innen auf ihrem Weg in ihre Sängerkarriere wie u.a. die Stuttgarter Musikerin Linda Kyei und Barbara Bürkle.

Wo Melva Houston auftrat, begeisterte sie ihr Publikum auch durch ihre herzliche und persönliche Art. „I love to make people happy. Everyone shall leave smiling!“ so Melva Houston.

Melva Houston @UWARTON-Studio, Stuttgart ©A.Scheufler

Melva Houston @UWARTON-Studio, Stuttgart © Andrea Scheufler

 

In den letzten Jahren hat sich die Jazzsängerin Houston mehr und mehr dem Blues zugewandt. Sie war Expertin im Verschmelzen von Blues- mit Jazzelementen. So ist es nicht überraschend, dass sie Broadwaysongs mit der selben Ausdruckskraft interpretieren konnte, wie auch Jazzstandards von Gershwin, Ellington, Cole Porter oder Kompositionen von Thelonious Monk and Horace Silver.

Als Sängerin war es Houstons Gabe, mit ihrer tiefen bluesigen Stimme, auch genannt „The Voice“, den Songs eine ihr einzigartige Ausdrucksnote zu verleihen, ohne dabei den Einfluss ihrer Vorbilder wie Dinah Washington, Ernestine Anderson, Carmen McRae und Nancy Wilson zu verleugnen.

Melva Houston legte 5 Alben unter ihrem eigenen Namen vor (Live im Jazzclub „Armer Konrad“/Gospel-Live in der Stuttgarter Johanneskirche/The Jazz in U/Black Coffee/There will never be another you).  Sie machte aber auch Aufnahmen mit und für Uwe Schenk (Freak Stars, Duke`s House), Ferry Ultra (Soul Power) und Daniel Messina.

In Aruba entstanden Aufnahmen mit dem kuban. Saxophonisten Eduardo Proveyer „El Prove“ (special guest Melva Houston und Chucho Valdez),  in den USA mit M4B Mike Accosta (George Clinton, Funkadelic - „Stay close to me“). Des Weiteren ist Houston auf 2 Produktionen der „Gate City Divas“ zu hören.

Durch ihren Tod hinterlässt Melva Houston auch in Stuttgart und Region eine große trauernde Veranstalter- und Fangemeinde, die seit 2017 vergeblich auf eine Wiederkehr Houstons nach Europa hoffte. In 2017 begann ihr Kampf gegen die Krebskrankheit.

R.I.P. Melva Houston! You are always in our hearts!

 

Melva’s Alley

Eine Gasse benannt nach Melva Houston

 
Melva Alley in Mount Airy

Gemeinsam mit Ihrem Ehemann lebte Melva Houston viele Jahre und bis zuletzt in Mount Airy/North Carolina. Nach dem Tod von Melva Houston beschloss die Stadt Mount Airy eine Gasse nach Melva Houston zu benennen: „Melva's Alley“ soll sie heißen und ein Graffiti-Kunstwerk soll Melva Houston ehren. 

Die Gemeinde Mount Airy ehrt damit nicht nur ihre herausragende Künstlerin sondern dankt ihr mit diesem Denkmal auch und vor allem für ihr unermüdliches Engagement für die Bürger und Bürgerinnen des Ortes. Melva Houston engagierte sich bei ihren Heimataufenthalten unermüdlich für Arme und Kranke, für Frauenrechte und für die Gemeinschaft des Ortes. Sie war es auch, die in 1996 das in Mount Airy inzwischen nicht mehr wegzudenkende alljährliche Community Thanks Giving Dinner ins Leben rief das inzwischen jährlich hunderte von Gästen bei einer warmen Mahlzeit ein gemeinschaftliches Feiern ermöglicht. 

 

“There are elderly people who might be unable to cook, single folks without family in the area to eat with — people who have no place to go on Thanksgiving,” Houston said in 2014. “Then there are those who simply can’t afford a holiday feast.”  

Thanks Giving hat in den Staaten eine ähnlich wichtige Bedeutung wie Weihnachten hierzulande. Und Melva wollte, dass jeder, egal ob arm oder reich, jung oder alt, einsam oder glücklich ein Thanks Giving Fest in Gemeinschaft erleben kann. “I’ll feed the man who’s under the bridge, and I’ll feed the man who owns the bridge,” so Houston.

“She was a person of strong faith, of strong will, known for her work in the blues and jazz … (for) her soulful singing. That is a great loss for our entire community,” Bud Cameron, local Minister Mount Airy Region. 

Melva Gasse
 
Melva Alley